USA – Yosemite NP

Eines unserer Ziele in den USA, welches wir mit der wohl grössten Erwartungshaltung auf dem Plan hatten war der Yosemite National Park, den auch die Amis lieben. Leider ist er genau deswegen sehr oft überlaufen und wir hatten ein wenig Schiss keinen freien Stellplatz mehr zu ergattern. Aus diesem Grund haben wir uns gleich für einen eher abgelegenen Campsite weiter oben und etwas ausserhalb entschieden. Die Nächte waren EISKALT – man glaubt kaum wie viel da jeder Höhenmeter ausmacht!!! Ein Hoch auf die Feuerstellen – und dieses Mal haben wir sogar Kohlen!
Wieder gibt es Bärenlocker und dieses mal ……. nehmen wir das Thema durchaus ernst 🙂
Unser Ultralight Zelt (MSR Hubba Hubba) kam bisher noch gar nicht zum Einsatz und das wollen wir hier unbedingt ändern. Also stand eine Mehrtages-Wanderung auf dem Programm… genau genommen einen Zweitages-Wanderung… man sollte es ja nicht gleich übertreiben 😉
Laut Internet und Reiseführer muss man die schönste Route, hoch auf den Halfdome schon Monate vorher buchen. Wir fragen trotzdem im Visitor Center nach und haben tatsächlich Glück!
Genau genommen MEIN Glück… wenn man einen Antrag auf so einer Reise macht, dann sollte der Ort der Wahl schon ein besonderer sein… schliesslich hat die Erinnerung daran gegen unglaubliche viele andere Eindrücke zu bestehen (ausserdem hat Fabi die Messlatte im Freundeskreis extrem hoch gelegt… DANKE)! Den Ort macht nicht nur der Berg so besonders, sondern auch die Tatsache, dass ich Höhenangst habe und der Aufstieg vom Subdome auf den Halfdome extrem schlimm für Menschen mit diesem Handikap sein soll… sozusagen Mutprobe, Liebesbeweis und Trotz-Adrenalin-richtige-Worte-find-Probe in einem. Also den Ring eingepackt und noch so ein paar andere Sachen, bis der 80 Liter Rucksack dann auch fast voll war…

Wie ich, während des Aufstiegs schmerzlich lernen musste nehmen nur sehr unerfahrene, oder extrem fitte Hiker einen ganzen Leib Brot, eine Dose Tomatenpürre und diverse andere viel zu schwere Gegenstände mit auf so eine Wanderung…. Ich weiss nicht ob ich es bis zum Zeltplatz geschafft hätte, wäre da nicht diese Zusatzmotivation gewesen… der Ring muss endlich an den Finger!
Der Aufstieg war, für mich ein Wechselbad aus Leiden und Staunen – super schön und super anstrengend… Melli ist, wie immer, fit wie ein Turnschuh den Berg hochgespurtet… (wie macht sie das nur???)

Wir bauen nur kurz das Zelt auf, fassen Essen und weiter gehts ohne Gepäck, denn das Ehrgeizige Ziel heisst “Aufstieg auf den Halfdome an einem Tag”. Ohne den schweren Rucksack bleibt endlich Luft zum Ratschen 😉

Am Subdome angekommen bin ich dann gaaaaanz schön aufgeregt… das liegt sicher nicht nur am Ring… (und der Tatsache, dass ich überhaupt nicht mehr weiss was ich noch mal genau sagen wollte), sondern auch an den zwei locker gespannten Drahtseilen, den komischen Holzbalken (die wohl Stufen dienen sollen), dem extrem glatten, riesigen Felsen und der heftigen Steigung. Hand aufs Herz – warum lassen die da Leute ohne Sicherung hoch???
Scheiss egal – nach ein “paar” Minuten Bangen nehmen wir allen Mut zusammen, schnappen und jeweils ein Paar Handschuhe (die lassen Hiker dort oben für andere Hiker liegen, denn ohne Handschuhe ist der Aufstieg nicht machbar) und schwingen uns an die Seile. Melli geht vor mir – schon auf den ersten Metern merken wir, dass unser Schuhwerk nicht wirklich für eine solche Anforderung gemacht ist. Melli rutscht mehrmals ab und bei mir sinkt mit jedem Mal Mut und Wille steil ab… Was wenn einem von uns wirklich etwas passiert? Hier endet ein Fehler nie mit einer Verletzung sondern immer mit einem “Schlusspunkt”. Der Runde Felsen endet nämlich auf beiden Seiten in eine, fast senkrecht abfallende und mehrere hundert Meter hohe Steilwand.
Nach ca. 50 Metern (immerhin fast die Hälfte) brechen wir ab und mühen uns auf den Subdome zurück. Für Melli die pure Erleichterung, für mich Plan C? Einen Plan B sollte man ja immer haben… aber wer denkt schon an Plan C? Keiner von uns beiden (und das ist auch gut so ;)) weiss noch genau welche Worte ich dann gefunden (es waren sicher mehr gesuchte…) habe – auf jeden Fall hat Sie “Ja!” gesagt und endlich konnte ich den Ring an ihren Finger stecken (Mist – er ist ein bisschen zu gross…).

Während wir noch mitten im “krass – verlobt!!!”-Feeling die Aussicht geniessen geben dann noch diverse andere Hiker, vom Muskelbepackten Hünen bis zur sportlichen Kletterlady auf. Wir sind uns sicher, dass der “Gruppenfaktor” hier viel geholfen hätte, aber alleine oder zu zweit scheint einem der Mut oder auch der Wahnsinn für diesen Aufstieg zu fehlen. Wir wagen keinen zweiten Anlauf (weder beim Text für Antrag noch beim Aufstieg) und wandern erleichtert zurück zum Basislager.

Unsere Kaufentscheidung bestätigt sich als super und die erste Nacht im nicht ganz so billigen Zelt war top. Krass wie schnell sich sowas aufbauen lässt!!!

Am nächsten Morgen gehts an den Abstieg, der mir ohne Tomatenpüree und Brot gleich viel leichter fällt – ok ein Stein ist mir ja auch vom Herzen gefallen (der Ring gefällt ihr super!!! oleee!) und sooo leicht ist der Ring auch nicht 😉 (Ausserdem haben wir nur noch Chlorwasser – und davon wenig…)

Wir brechen auf – über Bodie, den Lake Tahoe und Reno – in Richtung – BURNING MAN!!!!

FAZIT: Nicht der beeindruckendste National Park, aber irgendwie trotzdem ein Muss.

WIN: Einfach mal “Ja!” sagen!

FAIL: Tausche Brot und Tomatenpüree gegen Seil + Karabiner!

Lesson learned: Einen Plan haben ist Bronze, zwei Pläne haben ist Silber, gar nicht planen ist Gold.

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