Neuseeland – Nordinsel – Auckland

“Ehrlich wehrt am längsten!” – eine Weisheit die auf viele Situationen zutrifft und auf mindestens genauso viele leider nicht. In unserem Fall müsste man den Spruch sowieso umtexten – in “Ehrlich zieht sich ewig hin!” oder einfach nur “wenns mal wieder ehrlich dauert!”. Brav wie wir sind haben wir uns nach unserer Landung am Airport in Auckland in die Schlange derer eingereiht, die auf der Immigrations-Karte einen Punkt mit “yes” angekreuzt hatten. “Man” wollte ja nicht auf mich hören und lieber alles “richtig” machen. Und ich bleib dabei – wenn man die Frage “Haben Sie Alkohol getrunken?” mit einem “Ja” oder auch “Nur ein Bier” beantwortet hat man zwar die Wahrheit gesagt, trotzdem nicht das Richtige getan. Der Beamte fast sich frustriert an den Kopf, denn er ist jetzt dazu gezwungen einen Alkoholtest zu machen und die S-Bahn hat man mit Sicherheit verpasst.

Hier stehen wir also, in der “Richtigen”-Schlange, die sich richtig langsam vorwärts schiebt. Wer nach Neuseeland einreist muss unter Anderem angeben ob er ein Zelt im Gepäck hat, das bereits ausserhalb Neuseelands im Einsatz war. Das Prozedere soll Neuseeland vor “feindlichen” Sporen und Samen schützen und stellt in diesem Fall unser “yes” dar. Ein durchaus lobenswerter und wohl auch notwendiger Vorsatz. Leider kann man an der Motivation der Beamten bildlich ablesen wie viel sie von dem ganzen halten. Jede Frage wird eindeutig mit einem, um ein “Nein” bettelnden Unterton gestellt. Hart wie wir rechtschaffenen Touristen sind überhören wir das Gebettel und gestehen die Nutzung unseres Hubba Hubba NX in Australien und den USA. Der Beamte bittet uns das Zelt aus dem Backpack zu holen. Bei der Frage nach Wanderschuhen ist nicht nur der Unterton eindeutig zu hören, auch der Blick spricht Bände. Mellis Wanderschuhe werden mit einem “Halbsekunden”-Blick als “those are fine” abgetan, als der Junge Mann die selbe Frage an mich richtet lasse ich Gnade walten und verneine die Frage nach Wanderschuhen. Die Tatsache, dass es nicht für notwendig erachtet wird weitere Rückfragen in der Art “Wie seid ihr dann bitte zusammen wandern gegangen?” oder “Huckepack, Barfuss?” zu stellen bestätigt mich in meiner, nicht ganz “richtigen” Antwort.

Die ganze Aktion dauert gefühlte hundert Stunden und als wir endlich unser Zelt aus dem Labor wiederbekommen geht es an die weitere Planung, denn die hat es in sich.
Sowohl Jasmin und Nico als auch wir wollen ein Fortbewegungsmittel für die anstehenden drei Monate Neuseeland kaufen. Mieten wäre viel zu teuer. Da wir keine 20 mehr sind kommt ein Kombi mit Matratze auf Brettern, das häufigste Backpacker Gefährt, nicht wirklich in Frage. Wir suchen also einen Bus, am besten zum Camper umgebaut, bzw. ausgebaut. Leichter gesagt als getan, und so beginnt unser Autokauf-Marathon.
Jeder, aber wirklich jeder in und um Auckland scheint ein Hobby zu haben – Campervans verkaufen. Die passende Geschichte zum Van gibt es gratis dazu. Einmal ist es der Van vom Bruder der ins Ausland gegangen ist, dann der von einem Freund der ihn natürlich immer top gepflegt hat oder auch mal der eigene Van der als Arbeitsfahrzeug genutzt wurde und nur ganz zufällig eine Matratze im Kofferraum hat. Mit verblüffend hoher Treffsicherheit kann man hier ins schwarze Raten – Nein die Stories stimmen in der Regel nicht. Das Kaufen und Verkaufen von Autos ist hier Volkssport. Zur Low-Season wird günstig gekauft, am liebsten von Backpackern mit ablaufendem Visum und zur High-Season wird wieder verkauft, allein die Nachfrage bestimmt den Preis. Wir reisen zwar noch vor dem Startschuss zur High-Season ein, trotzdem kann man an den Preisen bereits die warmen Sommertage erahnen. So richtig warm ist Neuseeland allerdings nicht, auch nicht im Sommer und erst recht nicht nach Sonnenuntergang. Zumindest die kalten Nächte trösten über die nervenzehrende Autosuche hinweg. Zu unserem Glück ist die Airbnb Unterkunft bei Helen, einer sehr netten, älteren Dame, die mit ihrem schnellen English, gespickt mit zahlreichen Fremdwörtern unsere Sprachkenntnisse immer wieder auf die Probe stellt, halbwegs warm. Auch wenn unsere getrennten 90cm Betten gegenseitiges Wärmen zu einer Synchronakrobatik macht und einer von uns, wohl oder übel irgendwann nachts in ein eiskaltes Bett wechseln “darf”.
Nach genau einer Woche und einigen Probefahrten haben wir den Kreis der Kandidaten ganz eng gezogen, genau genommen haben wir nur noch einen Bus im Visier, einen 1994er Toyota Hiace Super Custom. Dem Verkäufer trauen wir zwar keinen Millimeter weiter als all den anderen Autoschiebern, aber er ist sehr um uns bemüht und als uns dann auch noch ein kaufwilliges Französisches Paar in die Suppe spucken will schlagen wir kurzer Hand zu und zahlen 200$ an. Bevor wir das gute Stück voll bezahlen wollen wir noch einen AA Pre Buy Check machen. Der AA ist das Neuseeländische Pendant zum Deutschen TÜV. Sicher ist sicher!
Der AA Check weist zu unserem Glück nur ein paar kleinere Mängel auf. Die wichtigsten wollen wir trotzdem noch vor dem Kauf beseitigen. Wir bieten dem Verkäufer an 50% der Kosten zu übernehmen und er willigt tatsächlich ein. Wie der Rest dann von statten geht kann man mit einem Wort zusammenfassen – mysteriös! Ganz klar ist uns bis heute nicht, was genau repariert wurde und wo überall getrickst wurde, zumindest bei den Bremsen und beim einstellen der Spur waren wir dabei. Das Wort “Zahnriehmen” hat sich bei Melli und mir auf jeden Fall tief in die letzten Hirnwindungen eingebrannt. Egal – der Bus läuft für einen Diesel und seine stolzen 20 Jahre, bzw. 218.300 km sehr ruhig und mit seinen 235er Alus (wer zieht bitte solche Schlappen auf einen Bus? A-Team-Opfer…), den neuen Bremsen und seinen 130 PS passt auch das Fahrgefühl. Eines Sache fehlt allerdings… der Ausbau! Nach so vielen Schrottkarren die wir uns angeschaut hatten war bei mir irgendwann der Punkt gekommen, an dem ich einfach keine Lust mehr hatte nach einem Bus in gutem Zustand inklusive passablem Ausbau zu suchen – wir wären heute noch in Auckland…
Selbst ist der Mann, bzw. Mann und Frau! Melli und ich haben beschlossen den Ausbau selbst zu übernehmen. Zugegeben, ein mutiger Plan, aber dank Jasmins und Nicos Airbnb Host, Becky, die zufällig als Bühnenbildnerin arbeitet hatten wir für 20$ am Tag nicht nur die Möglichkeit mit unserem Bus in ihrem Garten zu übernachten, sondern auch noch direkten Zugriff auf einige ihrer Werkzeuge!
Nach unzähligen, vielsagenden Skizzen, endlosem hin und her zwischen Bunnings und Mitre10, haufenweise Holzschrauben, Bergen an Sägespänen und 5 Tagen harter Arbeit war es dann endlich so weit, unser mobiles Zuhause war gerüstet für Neuseelands wechselhaftes Wetter. Ja, doch, man könnte unser breites Grinsen als “zufriedenstolz” bezeichnen. Ein “fully convertable setup”, mit umklappbarer Couch, einem Regal und verstellbarem Klapptisch aus eigener Feder und Muskelkraft. Melli hat sich als kompetenter Schreinerslehrling bewiesen und war federführender Designer in Sachen Tischkonstruktion.
Jasmin und Nico waren ebenfalls schon startklar, hatten allerdings noch einen Termin beim Arzt und ein Aufbruch hätte sich nicht gelohnt. So war es an der Zeit für Melli und mich unseren Mitch “The Warrior” U Cannon – jedes Reisegefährt braucht einen Namen – auf die Strassen der Nordinsel loszulassen und Auckland den Rücken zu kehren. Ach ja, Auckland – hmm “schön” würde ich es nicht nennen, eine typische Neuseeland Stadt – jung, weitläufig und alle Läden machen um 5pm zu. Kann man sich ansehen – muss man aber nicht.

 

FAZIT: Also Städte und ich – ne – das wird nix mehr, aber ich bin schon sehr gespannt auf die Natur!

WIN: Ingenieurs-Gene ausleben – und das sogar im Team!

FAIL: Billiges Werkzeug, Zahnriemen, Paranoide Deutsche.

Lesson learned: Autokauf in Neuseeland.

 

Indonesien – Bali und Java

“Euer Name wird Euch weiterhelfen!” – ein Rätsel… Auf die Frage, wie wir zu Jasmin und Nico finden haben wir nur diesen Tipp bekommen. Nach aktuellem Anlass kann damit nur unser Nachname gemeint sein. Google verweist bei den Suchbegriffen “Engelmann Bali” auf einen Artikel der Schwäbischen Zeitung von 2010 (offensichtlich sind alte Inhalte inzwischen nur noch für zahlende Abonnenten zugänglich), in dem es um einen Felix Engelmann geht der seine Forschungen im Bereich Informatik auf Bali fortsetzt. Das Internet hilft uns hier also nicht weiter… selber denken ist angesagt… wie anstrengend!
Ok – zugegeben man hätte früher darauf kommen können – als wir am neuen Flughafen Ngurah Rai auf Bali landen winken uns geschätzte 1000 Namensschilder mit Aufschriften in verschiedensten Schriftgrößen, Farben und Formaten entgegen. Einige so klein, dass man sich fragen darf ob der Träger den Sinn eines Namensschildes am Flughafen wirklich verstanden hat. Andererseits… der Sinn der Schilder wird hier so oder so ad absurdum geführt, wie soll man bitte seinen Namen unter so vielen, winkenden Schilden finden? Hier müsste man das Prinzip umkehren – nicht der Fahrer hat ein Schild, sondern der Passagier.
Wir halten, offensichtlich etwas schwer von Begriff (oder müde vom Flug?), Ausschau nach Jasmin und Nico – können die Beiden aber vor lauter NAMENSSchildern nicht finden. Erst ein weiterer Hinweis per Telegram hilft auch unserer langen Leitung für den entsprechenden Gedankenfluss und Melli wirft sich mutig ins Getümmel, mit dem Suchauftrag “Namensschild”, während ich über unser Gepäck wache. An meiner Seite, ein hartnäckiger Balinese, der auch nach meiner hundertsten Zusicherung, wir hätten bereits einen Fahrer (zumindest nehmen wir das zu diesem Zeitpunkt stark an) neben mir verharrt und versucht eine Konversation auf üblichem “Neuankömmlingsbegrüssungssmalltalk”-Niveau zu führen. Ich wehre mich erst gar nicht und spiele mit, das geht wesentlich einfacher von der Hand als jeder Versuch die balinesische Hartnäckigkeit zu brechen, eine Lektion aus 2010 und 2012.

Gerade als ich meine Smalltalk-Taktik von “Fragen in möglichst knappen Halbsätzen beantworten” auf “Ich texte ihn einfach zu bis er aufgibt” umgestellt hatte eilt mir eine, strahlend lächelnde Blondine mit schnellem Schritt entgegen, im Schlepptau, unseren Fahrer. Mission accomblished – Melli hat ihn tatsächlich gefunden!
Der Arme wartet seit geschlagenen drei Stunden auf uns, denn unser Flug hatte Verspätung und die “Immigration-“Schlange war unendlich lang gewesen. Drei Stunden warten – mit einem Schild in der Hand… hartnäckig sind sie – so viel ist klar.

Die Spannung steigt weiter und als wir nach, für Bali üblich, wilder fahrt und langem Stau in unserer neuen Bleibe, nördlich von Kuta ankommen, ist eines klar – Jasco hat uns nicht zu viel versprochen – Bali hin oder her – wer würde schon bei einer Privat Villa mit Pool den Ort in Frage stellen?!!! Danke, noch einmal liebste Jasmin und liebster Nico – dat Ding war echt der Hammer!!! Ausserdem haben die Zwei alles sooooooooo süss für uns schick gemacht und sorry – Rosenblätter auf dem Bett – Herr Ghirlanda – wehe Sie bezeichnen sich noch einmal als unromantisch (*zwinker*)!
Team Jasco legt noch einen oben drauf, die zwei haben eine EXTREM professionell aufgemachte Reisepräsentation vorbereitet. Gespannt lauschen wir den Gestaltungs-Ideen für die kommenden Tage, bzw. Wochen. Mellis Wunschinsel Java wurde als Ziel auserkoren und mein Wunsch, Vulkan ist ebenfalls eingeflossen. Perfekt!

Voll zufrieden und super entspannt geniessen wir die nächsten Tage in der Villa und verlängern die ruhige Zeit noch um drei Tage in einer zweiten Villa, dann geht es aber los in Richtung Java.

Da Nico unsere Java Tour schon so gut beschrieben hat bin ich so frei und verweise hier einfach auf seinen Blog:

http://www.jascosworld.ch
Ein paar zwischenmenschliche Details hatte ich zwar ein wenige gemässigter empfunden, aber alles in allem war Java keine leichte Prüfung. Viel Geduld, langer Atem und starke Nerven sind für diese Insel auf jeden Fall hilfreich, oder sogar Pflicht. Trotzdem zählt der Vulkan Ijen zu einem meiner Reisehighlights und ich bin froh dort gewesen zu sein. Wer weiss… mit einer besseren Kamera gibts vielleicht sogar ein Wiedersehen 😉

Die Tauchbilder muss ich, aus bekanntem Grund nachliefern.

Zusammen geht es weiter auf die Nordinsel Neuseelands – nach Auckland.
FAZIT: Bali ist und bleibt ein ganz besonderes Stück Asien, immer wieder gerne. Java einmal – langt.

WIN: Nie aufgeben, auch wenn es nur ums Foto geht!

FAIL: Busfahren…

Lesson learned: Der Umgang mit einer extrem gegensätzlichen Kultur, stark religiös geprägt und nicht auf Tourismus ausgelegt kann einen viele Nerven kosten, bietet allerdings auch sehr interessante Einblicke in Unbekanntes. Religiöser Glaube kann so stark sein, dass Frau eher einen schmerzhaften Sturz in Kauf nimmt als die zur Hilfe gereichte Hand eines Mannes zu berühren.

 

Australien – die Erste

Was für uns gilt, gilt noch lange nicht für unser Gepäck. Melli und ich kommen zwar gut in Cairns an, mein Backpack hat es leider nicht ganz geschafft. Jetstar gibt sich zwar alle Mühe, wirklich koordiniert wirkt die Gepäckstücksuche trotzdem nicht. Nach zahlreichen Emails, Anrufen und dem xten Formular ist es dann nach drei Tagen endlich geschafft und mein Osprey kommt gesund und munter in unserem Hostel an. Da wären nicht nur die Hochzeitsbilder futsch gewesen… Schwein gehabt! Immerhin durfte ich für ca. 60 AUD, auf Jetstar Kosten Sachen wie frische Unterwäsche, Zahnpasta, Duschzeug usw. shoppen.
Cairns ist zwar wirklich niedlich, drei Tage sind dennoch mehr als Genug. Nach unseren, “etwas” kostspieligen USA Wochen muss gespart werden! Eisern! Also gehts mit dem günstigsten Mietwagen den wir bekommen konnten und unserem Hubba Hubba NX weiter. Basic Camping ist angesagt. Hätte mir jemand vor ein paar Wochen erzählt, dass ich in Australien mit Redbacks, Taipanen und Tigersnakes auf einem Campingplatz in einem Zelt schlafen werde, ich hätte müde gelächelt – Zelten in Australien – viel zu gefährlich!!!
So ändern sich die Blickwinkel… jetzt lächle ich über meine völlig falsche Vorstellung 😉
Klar – es gibt sie alle – die tödlich giftigen Spinnen, Schlangen, Quallen, Muscheln, Fische, Skorpione, Salties uuussswwww., gecampt wird natürlich trotzdem… auch in Zelten – auf dem Boden. Ein wenig vorsichtiger sollte man natürlich sein. Wer bei einem Bier bis nach Sonnenuntergang am schönen Cape Tribulation Strand bleibt und dann feststellt, dass er keine Ahnung hat wie er bei seinem Nexus 4 die Taschenlampe anmacht, der muss den Foto Blitz nutzen um sich den Weg in Flip-Flops vom Strand durch den Dschungel zum Campsite zu bahnen, bzw. zu flashen. Das mit dem “vorsichtiger” üben wir besser noch…
Cape Tribulation ist ein ganz besonderer Ort, da nur hier der Regenwald auf das Great Barrier Reef stösst. Hmm – was damit genau gemeint ist habe ich bis heute nicht verstanden… (Der Regenwald geht bis zum Strand und das Riff ebenfalls…) jedenfalls kennt diesen Fakt jeder Aussie und ist davon begeistert, wir sind es also auch.
Bei unserem Schnorchel Trip zum Weltgrössten, lebenden Riff haben wir leider etwas Pech, der nächtliche Regen trübt die Sicht auf unter 5 Meter. Spass haben wir trotzdem mit den Riesen Muscheln, Stachelrochen und den chilligen Schildkröten. Fest steht – ich will auf jeden Fall noch am Outer Reef tauchen gehen!!!
Wir machen noch eine kleine Wanderung am Mossmen Gorge durch den Dschungel und starten unseren Roadtrip entlang der Ostküste runter bis Brisbane.

Die Natur ist wirklich wunderschön, auch wenn einen hier wirklich alles nur erdenkliche umbringen will. Die Aussies stellen schon gar keine “Vorsicht Schlangen” Schilder mehr auf… die schmerzhaften Sting Trees sind immerhin noch ein Warnschild wert. An Ständen wird eindringlich vor Salties und Quallen gewarnt. Gegen letztere hilft im Notfall Essigsäure, die an betroffnen Stränden in “First Aid” Säulen zu finden ist. Richtig bock auf plantschen haben wir irgendwie trotzdem nicht.

Unser Umweg durch das “Table Lands” genannte Hinterland südlich von Cairns erinnert mich stellenweise stark an Tirol oder die Schweiz? Grünes, hügeliges Weideland auf dem das Steak von Morgen flaniert. Hier haben Rinder noch ein Leben!
Wir stoppen an diversen kostenlosen Tripadvisor Attraktionen, machen Fotos, lesen erhellende Hinweistafeln, kaufen organic Tee, sichten Baum Kängurus und besuchen Magnetic Island, die ihren Namen einem Irrtum zu verdanken hat. Alle Attraktionen die etwas kosten umfahren wir gezielt – die Reisebörse freut sich und ehrlich gesagt – ich finds viel besser so.
Jeden Tag liegen wir weit unter unserem angesetzten Tages-Spar-Budget und das muss natürlich belohnt werden! Wir wollen einen Segelturn um die Whitsundays machen. Gut, dass wir den nicht schon in Cairns gebucht hatten… online finden wir ein gutes Angebot zum halben Preis und schlagen zu.
Wir haben Glück und auch wenn wir die ältesten der 21 Passagiere sind fühlen wir uns wohl und die Stimmung an Board ist gut. Melli macht uns sicherheitshalber trotzdem ein “paar” Jahre jünger… na gut – dann bin ich halt 27… bloss nicht lachen, man könnte meine Falten sehen!!!
Im Preis inbegriffen ist ein Schnupper-Tauchgang und ich kann, sehr zu meiner Freude, Melli überreden mitzumachen. Melli taucht eigentlich schon länger als ich, hatte aber vor einigen Jahren in Thailand Probleme mit einem “Reverse Block” und meidet seither diesen Sport. Alles klappt diesmal problemlos und – juhu – endlich zusammen tauchen – und noch besser – es eröffnen sich ganz neue Optionen für die restliche Reise!
Auf unseren Ausflug auf den White Heaven Beach der Whitsunday Insel hatten wir uns schon lange sehr gefreut und, wie man an den Bildern sehen kann macht er seinem Namen in der Tat alle Ehre. Irgendwie hat der himmlische Anblick auf so ziemlich alle eine gewisse “Ausflipp”-Wirkung. Wie die Kinder wir über den fast schon Zahnpasta weissen Sand getobt, Räder geschlagen, Engel in den Sand gezeichnet oder einfach nur glücklich vor sich hin gegrinst. Das mit dem Zahnpasta Weiss ist übrigens gar nicht so weit hergeholt. Alex erklärt uns, dass der Sand so fein ist, dass man damit seine Zähne putzen kann. Ich verzichte gerne und Mellis Zähne knirschen auch noch einige Schluck Wasser später, trotzdem muss ich zugeben, dass ich wirklich noch nie so feinen Sand gesehen, bzw. gefühlt habe. Es ist streng verboten sich etwas davon mitzunehmen…
Im seichten Wasser kann man sich zahlreichen Stachelrochen bis auf wenige Zentimeter annähern, viel näher sollte man den in der Regel friedlichen Tieren aber nicht kommen…

Bei unserem zweiten Tauchgang klappt wieder alles problemlos, aber wirklich spanned ist er leider nicht. Viele Fische und ein paar ganz nette Korallen. Viel lustiger ist der nächste “Schnochel-Stopp” an einer winzigen Sandinsel vor der, durch günstige Strömungen bedingt unzählige Wasserschildkröten sich am Überangebot ihres Leibgerichts erfreuen. Wie wir von unserem Aborigines Kapitän erfahren hat das Gift der Quallen eine ähnliche Wirkung auf die Schildkröten wie THC auf den menschlichen Organismus. So gesehen haben Schildkröten also mehr Rechte als wir Menschen… ausgenommen aller Holländer. Die Welt ist ungerecht – keine wirklich neue Erkenntnis.

Zum krönenden Abschluss gehen wir am letzten Abend noch mit allen zusammen feiern… in bester Backpacker Manier. Unzählige junge Menschen aus den verschiedensten Regionen des Planeten, fast alle single… aber mit Sicherheit alle betrunken! Welche Musik wählt man da als DJ wohl aus. So viel ist sicher, es war der schlimmste Mix an Musik den wir seit langem ertragen mussten. Glücklicherweise konnte ich mich auf dem Boot bereits vergewissern, dass die anderen “Mit-Segler” durchaus guten Musik Geschmack hatten und war somit nicht der einzige der eine gewisse Ironie in seinen Tanzstiel legte – hoffe ich…
Hach – ich kann mich noch gut erinnern – in dem Alter haben mir auch zwei, drei Schnapps und ein Bier gelangt… Heute wäre ein Vollrausch, der die Musik vielleicht erträglich gemacht hätte allerdings unbezahlbar, oder zumindest den “Spass” nicht wert.

Alex begleitet uns noch ein paar Tage auf unserer Tour in Richtung Süden. Endlich schaffen wir es auch einmal uns Bretter auszuleihen und für wenigstens zwei Stunden Surfen wir im beschaulichen Agnes Water bei kleinen aber guten “Aufwärm”-Wellen. Die dumme Würfelqualle surft leider immer mit… zumindest in unseren Köpfen. Ganz frei fühlt man sich hier nie im Wasser – Haie, Krokodile, Würfelquallen, Portugiesische Galeeren… die Welt ist ungerecht.
Mit Alex haben wir einen wirklich sehr netten und nachdenklichen Reisebegleiter gefunden. Der Abschied fällt uns allen dreien nicht leicht, aber wir müssen weiter nach Brisbane, der Flug nach Bali ist bereits gebucht. Wir haben zusammen mit Jasmin und Nico umdisponiert, Fidschi fliegt (erstmal) raus und es geht nach Indonesien. Melli hat ein bisschen Schiss, dass es bei Bali bleibt da wir die Insel schon sehr gut kennen, aber unser Reiseplanungsteam Jasco versichert uns, wir werden nicht enttäuscht sein. Da sind wir ja mal gespannt 😉
FAZIT: Australien ist schön, die Aussies extrem nett und hilfsbereit und die Ostküste voller junger Backpacker die “Erfahrungen” fürs Leben sammeln. Noch nicht ganz was ich mir vorgestellt hatte, aber das war ja nur der Osten 😉

WIN: Melli taucht wieder!!!

FAIL: Dinge auf Morgen verschieben die man eigentlich Heute machen will. Feiern in Backpacker Hochburgen – die sollen das besser erst noch ohne uns üben 😉

Lesson learned: Das Attribut “Gluckscheisser” mit würde Tragen… hätte ich nicht immer den heftigen Drang nur zu glauben was ich selber gesehen habe, dann wäre ich wohl auch einer der leichtgläubigen Backpacker die die Meinung vertreten, Goon wird aus Fischeiern gebraut…

 

USA – Hawaii – Kauai

Immer wieder hört man davon, dass Leute ihren Anschlussflug verpassen und geht dabei natürlich von einer Verspätung des ersten Fluges aus. Nein – das geht auch viel einfacher… man nehme ca. 10 Dollar, zwei lecker Starbucks Kaffee und zwei dauerquasselnde Touris von denen der eine irgendwann, bzw. genau um 14:10 auf die Flughafenuhr schaut und meint “Hmm also wenn unser Anschlussflug um 14:05 abhebt und die Flughafenuhr tatsächlich richtig geht, dann haben wir den Flug verpasst!”.
Umso überraschter waren wir, dass Hawaii Airlines uns völlig kostenlos auf den nächsten Flug um 18:00 umgebucht hat – geiler Service!
So sitzt man also vier sinnlose Stunden am Flughafen in Maui anstatt am sonnigen Sandstrand auf Kauai – wissend, dass uns ausserdem noch ein erneutes “Führerscheindrama” auf Kauai bevorsteht.
Diesmal waren wir “schlauer” und haben unseren reservierten Dollar Wagen rechtzeitig abbestellt, da wir uns sicher waren das Mietauto, ohne Führerschein wieder nicht zu bekommen. Nix da – diesmal bekommen wir auch bei Dollar einen Wagen ohne Führerschein – nur doppelt so teuer wie er per Vorbestellung gewesen wäre… nice one – das hebt die Stimmung – NOT! Naja – dieses “Führerschein” Thema hatten wir jetzt einfach schon zu oft – und so überwiegt die Freude über das Auto mehr als der Frust über das verzockte Geld.
Nach unseren ersten kleineren Ausflügen auf der Insel buchen wir uns für den dritten Tag einen Segelturn mit einem Katamaran entlang der Napali Küste. Katamarantour entlang der Napali Coast hört sich ein wenig nach Schickimicki an… und so war es dann auch 🙂 ein Glück, dass wir unsere Erwartungshaltung, das Publikum betreffend, entsprechend angepasst hatten. Alle Spiesser ausblenden und zweisam Spass haben klappt so gleich viel besser!
Hätte mir jemand gesagt, dass auch in Kauai die Sonne im Osten aufgeht, dann hätte ich lieber die Nachmittags-Tour gebucht… Gegenlicht schmeckt meiner billig DSLR einfach gar nicht – aber – wie Melli zu sagen pflegt “es geht ja nicht nur ums Foto!” 😉
Die Küste ist wirklich atemberaubend und ein absolutes Muss! Kein Wunder, dass die Serie “Lost” viele Drehorte auf Hawaii hatte.
Ausserdem gibt es hier sehr viele “spinning dolphins”. Diese Delphine sind viel kleiner als ihre Artgenossen, das machen sie aber mit ihren unglaublichen Schrauben-Sprüngen allemal wieder wett! Auch wenn wir es eigentlich nicht mögen Wildtiere zu stören so haben wir hier definitiv den Eindruck als ob diese grazilen Schwimmer richtig viel Spass mit unserem Besuch haben und wirklich alles geben um uns zu begeistern.
Der versprochene Schnochelstopp fällt dann leider “ins Wasser” da das dieses sehr trüb ist und man scheinbar Angst um uns hat. Egal – Saltos vom Boot aus macht man eh besser ohne Taucherbrille…
Der Segelturn war sehr sehr schön und wir sind froh, dass wir uns nicht vom, durchaus hohen, “Tourifaktor” abschrecken haben lassen.
Vom Wasser aus war die Napali Coast der Hit – wie sieht sie wohl vom Lande aus? Aus der Luft fällt mangels Helikopterflugbudget definitiv aus und so planen wir für den kommenden Tag eine Wanderung entlang der Küste zu einem Wasserfall. So einfach der Wanderweg beginnt so abenteuerlich wird er dem Ende zu. Nach zahlreichen Flussüberquerungen und steilen Kletterpassagen erreichen wir endlich den unglaublich schönen und sehr sehr hohen Wasserfall! Und das beste – man kann dort baden und direkt unter den Wasserfall schwimmen 🙂
Ein Bad im Meer lassen wir angesichts der, bisher 87 Todesopfer lieber bleiben… die Vernunft siegt, auch wenn ich mir sicher bin, dass es wohl 87 besonders “gute” Schwimmer waren…
Vom Wasser wie vom Lande – die Napali Coast bekommt definitiv 5 von 5 Sternchen!
Den letzten Tag lassen wir dann in unserem Resort Spa ausklingen und sind einfach mal richtig faul… muss zwischendurch auch mal sein 😉

Der Rückflug nach Oahu steht an, denn wir fliegen von Honolulu aus nach Australien. Unsere allerhezliebste Kathrin hat ihre Diebeskünste walten lassen und uns unsere Schweizer Führerscheine nach Ohau zu unserem Kapitän geschickt (Wir sind Dir unendlich dankbar liebste Kathrin!!!!). Also – one more time – ein Auto mieten und rüber auf die andere Seite der Insel rasen wo das 75 CHF teure Paket schon auf uns wartet.
Am nächsten Morgen geht unser Flug nach Melbourne um 9:30… eigentlich genug Zeit um zuvor noch unsere Heiratsurkunde im Department of Health einzureichen und den Mietwagen abzugeben… eigentlich…
Es gibt Menschen die aufstehen wenn der Wecker klingelt, es gibt Menschen die aufstehen wenn er ein zweites Mal klingelt und es gibt Melanie. Lange rede kurzer Sinn, anstatt um 7:45, wie geplant kommen wir um 8:20 im DoH an und sind natürlich nicht die Ersten. Also Nummer ziehen und warten. Alles was wir jetzt NICHT haben ist Zeit, aber der Beamte bleibt auch auf wimmernde Nachfrage hart und wir müssen brav warten bis wir dran sind. Einer der Momente im Leben den man eigentlich nicht unbedingt erleben muss. Als unsere Nummer endlich aufleuchtet liegen die Nerven nicht nur bei uns blank und der nette Herr am Schalter vertippt sich bei unserem Anschriften auch noch zweimal. Sein Lachen als wir im auf seine Frage wann unser Flug geht antworten werde ich so schnell nicht vergessen. Schwarzen Humor finde ich super – so lange ich den Witz reisse 😉
Und wieder einmal sprinte ich vom DoH in Honolulu zu einem Mietwagen – schon fast Routine… während unserem Spurt gehts schon in die Detailplanung. So viel ist klar – seriell ist nichts mehr zu retten… Aufteilen ist unsere einzige Chance. Mit “minimal” überhöhter Geschwindigkeit rasen wir zum Flughafen. Ein Glück, dass wir uns in Honolulu inzwischen gut auskennen! Ich werfe Melli mit den beiden schweren Gepäckstücken am Terminal raus – hektisch machen wir noch einen Treffpunkt vorm Security Check aus und weiter gehts für mich zur Mietwagen Rückgabe. Irgendetwas passt dort nicht und ich soll mich im Büro melden… what? No way – was auch immer falsch sein mag – scheiss egal! Ich habe ca. 1.2km mit zwei Handgepäckstücken im Dauerlauf bei 35 Grad vor mir. Also im Vollspurt am Office vorbei in Richtung Airport. Einen Rucksack vorne und einen hinten. Auf diesen 1200 Metern sind mir x-mal Gedanken wie “ein Herzinfarkt mit Ende 30 geht in der Regel tödlich aus” oder “wenn sie noch einmal den Wecker weiter stellt dann …” oder auch “wird er bremsen, auch wenn da kein Zebrastreifen ist?” durch den Kopf. Irgendwann, kurz nach dem Gedanken “warum läuft mir mein Stirnschweiss eigentlich immer in die Augen?” bin ich tatsächlich am richtigen Terminal angekommen und ein bezaubernd schöne, blonde Silhouette rennt winkend auf mich zu. Ich muss noch persönlich am Checkin erscheinen sonst darf ich nicht fliegen. Einen Vorteil hat das Ganze – wir dürfen die VIP line durch den Security Check nehmen… obs das wert war?
Pitsch nass und völlig am Ende – aber im Flugzeug!!! Echt geschafft…. krasses Teamwork – muss ich trotzdem kein zweites Mal haben 😉

So endet unsere USA Reise sehr “idyllisch” und “ruhig”. Weiter geht es nach Australien! Zwar erst einmal für nur drei Wochen an die Ostküste aber wir haben ja noch drei Monate für den Rest Australiens eingeplant.
FAZIT: Kauai ist super schön und sehr ruhig. Reisen im Backpacker Style aber eher schwer.

WIN: Teamwork!

FAIL: “Nur noch eine Minute…”

Lesson learned: Alles ist möglich, man kann es aber auch einfacher haben….

 

USA – Hawaii – Big Island

Für Melli und mich geht es nach schmerzlicher Trennung von Ihren Eltern weiter nach Big Island. Diesmal haben wir leider nicht so viel Glück und bekommen den reservierten Mietwagen wirklich nicht. Hartnäckig bleiben zahlt sich manchmal doch aus – beim fünften und letzten Mietwagen-Anbieter stellen wir unsere “Taktik” von “ehrlich währt am längsten” auf “weniger ist mehr” um und – Bingo! – die Dame am Schalter hat null Plan von Führerscheinen und nimmt dankend unsere International Driving permit an! Die Karre kostet uns zwar fast doppelt so viel, aber ohne Auto geht auf den Hawaii Inseln maximal ein “all inc. Resort Urlaub”… und der kommt sicher nicht in Frage.
Auf Big Island campen wir nur in unserem geliebten Zelt und sparen so viel Geld für die sehr teuren Übernachtungen – ausserdem: Campen > Hotel. Was finden Menschen nur an Hotels???

Los geht es gleich mit einem echten Highlight – Manta Ray Schnorcheln! Relativ spontan entscheiden wir uns dafür mit diesen Giganten der Meere plantschen zu gehen. Die Story, die erklärt warum hier ein ganz spezieller Spot ist um diese, bis zu 4 Meter Spannweite grossen Geschöpfe zu bewundern ist durchaus erzählenswert.
Irgendwann Ende der 70er begann das Sheraton Hotel an der Küste die brechenden Wellen nachts mit dicken Scheinwerfern für seine Gäste zu beleuchten. Kurz darauf sind vielen Einheimischen und auch Touristen immer wieder grosse, dunkle Schatten im Wasser aufgefallen. Neugierig stiegen Taucher ins Wasser um dem Schattenphänomen auf die Spur zu kommen und sichteten einen kleinen Manta Ray (Spannweite ca. 2,5 Meter) dessen linke Kopfflosse verbogen war. Sie tauften ihn, bzw. sie liebevoll “Lefty”. Lefty war der erste Manta Ray der sich den hellen Scheinwerfer bei der Jagt nach Plankton zu nutzen machte. Das Plankton wird vom Licht angezogen und somit bietet der helle Spot nachts ein wahres Nahrungsparadies für Mantas. Lefty lebt noch heute und ist auf eine Spannweite von 4,2 Meter angewachsen. Zu einem ganz besondern Manta macht Lefty allerdings ihre Jagdmethode, die sie über die Jahre hinweg konditioniert und inzwischen an zahlreiche andere Mantas “weitergegeben” hat. Da Mantas einen sehr hohen “Wendekreis” besitzen und somit nur für kurze Zeit durch das Scheinwerferlicht gleiten hat Lefty irgendwann begonnen Backspins unter Wasser zu drehen um im Lichtpegel zu bleiben.
Leider hatten wir nicht die Ehre auf Lefty selbst zu treffen, doch nach wenigen Minuten im Wasser waren wir von zahlreichen Mantas umzingelt die sich wenige Zentimeter(!) unter uns einen regelrechten “Backspin-Contest” lieferten. Auch wenn man genau weiss, dass diese Riesen völlig harmlos sind, ganz ruhig bleibt der Puls auf keinen Fall. Unsere russische (dem Akzent nach zu urteilen) “Guide-in” kennt jeden einzelnen der Mantas beim Namen und weiss teilweise sogar woher einzelne Schrammen an den Tieren stammen.
Leider sind meine GoPro Aufnahmen und Bilder aus Versehen schon auf dem Heimweg, aber ich liefere definitiv hammer Bild- und Filmmaterial nach!

Weiter gehts in den Süden zum eigentlichen Hauptthema der grössten Hawaii Insel – den Vulkanen. Wir zelten sehr einsam mit lediglich zwei jungen und zur Abwechslung sehr weltoffenen Amis auf einem Campsite mitten auf dem, seit 1983 aktivem Vulkan Kīlauea. Die beiden Jungs haben, obwohl sie die Highschool abgebrochen haben eine sehr gute Allgemeinbildung und Reisen durch die ganze Welt – angefangen natürlich in den USA ;). Wir machen zusammen eine Wanderung quer durch einen erkalteten Krater und schauen uns anschliessend die von den beiden empfohlenen Spots rund um den Vulkan an. Unglaublich viel Lava, erkaltete Lava! Leider kosten uns die Ausflüge zur glühenden Version der Steinmasse ein bisschen zu viel. Noch bis August 2013 konnte man hier ohne Mehrkosten beobachten wie die heisse Lava ins Meer fliesst und für ein unglaubliches Naturschauspiel sorgt (Google Bilder “kilauea ocean”).

Als nächste Station peilen wir den inaktiven, aber viel höheren (4200m) Vulkan Mauna Kea an, auf dem über 10 gigantische Teleskope verschiedenster Unternehmen, Universitäten und Länder stehen. Leider braucht man ein 4WD Fahrzeug um die letzten Meter Strasse auf den Gipfel fahren zu dürfen. Wir fragen ganz frech ein Kanadisches Paar und haben Glück, die beiden sind sehr nett und nehmen uns mit. Oben angekommen stellen wir dann fest, dass die 4WD “Pflicht” wohl nicht sonderlich streng umgesetzt wird und man auch easy mit einem Honda Civic den Pass bewältigt. Autofahren ist Angesichts der eigentlich einfachen Schotterstrasse und der dennoch erschreckenden Unfallfotos, die einen vor ihr warnen sollen, wohl keine Stärke des durchschnittlichen Mauna Kea Touristen…
Der Sonnenuntergang ist der Hammer, wird aber dennoch vom nachfolgenden Sternenhimmel “getopt”. Kraaaaasssss kalt… für die letzten Langzeitbilder kann ich kaum noch Einstellungen an der Kamera vornehmen, so steiffgefrohren sind meine Finger. Hat sich voll gelohnt – sehr beeindruckend!

FAZIT: Tolle Insel – wenn man Vulkane und Lava mag ein Muss!

WIN: Nette Kontakte und Manta Rays!

FAIL: Glühende Lava verpasst 🙁

Lesson learned: Ein 4WD muss es nicht immer sein… und in den USA sollte man sich wirklich niemals ohne Handtuch um die Hüften am Strand umziehen!

 

USA – Hawaii – Oahu

Auf unserem Weg vom amerikanischen Festland nach Australien fliegen wir eigentlich fast genau über Hawaii – warum also nicht mal zwischenlanden…? Ok eine zwei Wochen Zwischenlandung ist eher ein kleiner Urlaub als ein Aufenthalt und wenn man schon mal verlobt in Hawaii landet, warum dann nicht gleich heiraten?! “Ganz so einfach” haben wir uns mit der Entscheidung für diesen Ort nicht getan, aber wir wollten unbedingt auf der Reise den Bund fürs Leben eingehen und unter Abwägung aller Umstände viel die Wahl dann eben auf Hawaii. Genau genommen auf einen alt 60er LSD Hippie im Batik T-Shirt mit Vollglatze, der in seinem “früheren” Leben Kapitän bei der Küstenwache war.

Los geht die Hawaii Story allerdings nicht ganz wie geplant… wir hatten bereits vor Antritt unserer Reise die Mietwägen auf den Hawaii Inseln gebucht, da man so wesentlich weniger zahlt als Vorort… so weit so gut – wenn da nicht das Thema Internationaler Führerschein wäre. Den soll man sich ja unbedingt holen, bevor man eine so lange Reise antritt – klar jeder denkt jetzt wir hätten uns keinen Internationalen Führerschein geholt – haben wir aber – ganz wie es sich gehört! Hätte ich mich noch ein wenig genauer mit dem Thema befasst, wäre ich nicht so ein alter Besserwisser und hätte ich keinen “Wir müssen Gewicht sparen bei so einer langen Reise”-Film geschoben – tja – dann hätte ich vielleicht auch meinen Schweizer Führerschein mitgenommen… (ausserdem hatten wir echt stressige Tage vor der Abreise… [*nach Ausreden such*]) – habe ich aber leider nicht und Melli auf meinen (bescheuerten) Rat hin ebenfalls nicht. Da stehen wir jetzt also am Dollar Car Rentals Schalter in Honolulu auf Oahu und werden nach unserem “originalen” nationalen Führerschein gefragt… den Internationalen hätten wir getrost weglassen können, nach dem fragt einen kein Schwein…
Es hilft kein Reden, Überreden, Diskutieren, Verdrehen und auch kein “Katzenblick”… das Auto bleibt wo es ist und wir rücken per Pedes ab in Richtung Starbucks. Hui – ich sags ja nur ungern – aber dat Stimmungstief überwindet man nur schwer… krass waren wir angemadet… und Melli erst 😉
Hilft alles nix – eine Lösung muss her und zwar schnell – denn wir müssen noch aufs Amt – zum Departnemt of Health – unsere Hochzeitsgenehmigung abholen… ohne die wirds schwer mit Heiraten!

Ich beschreib mal lieber in Stichpunkten wies weiterging – man weiss ja nie wer so mitliest 😉
Einen Anruf (Nachts um 3 Ortszeit Germany) beim geliebten Bruderherz-Retter-in-der-Not (DAAAANKE!), eine Email mit Anhang, einen Starbuckskaffee, einige Minuten Photoshop und eine Email an den Dollar Manager später haben wir tatsächlich ein OK und unseren Wagen – inklusive guter Laune – priceless!
Ich würde die Aktion nicht unbedingt “kriminell” nennen – “lösungsorientiert” trifft es meiner Meinung nach eher 😉

Mission 1 accomblished – Misson 2 – critical! Es ist 15:44 und um 16:00 macht das Department of Health seine Schotten dicht. “Mitohne” originalem Führerschein, “angemessener” Geschwindigkeit und jeder Menge Stressschweiss unter den Armen kämpfen wir uns durch den Spätnachmittagsverkehr in Richtung DoH Gebäude… verfahren uns natürlich und kommen sprintender Weise (Melli kann echt schnell rennen!) und völlig fertig um Punkt eins VOR 16:00 UHR am Empfangsschalter an. Ein Hoch auf den sehr netten Herren, der uns mit einem mitfühlenden Gesichtsausdruck zwar verständlich macht, dass die zuständige Abteilung eigentlich schon um 15:30 dicht macht… merkt aber an, dass wir trotzdem mal vorbeischauen sollten – manchmal werden Ausnahmen gemacht.
Gesagt getan – und – WIN – wer völlig ausser Atem und super nett (Katzenblick war vor lauter Schnaufen nicht mehr drin) anfragt wird belohnt – wir sind wohl eine Ausnahme wert. Die ersten “Beamten” die ich kennenlernen durfte die so entspannt drauf sind.
Ich glaube es war Frage Nummer drei oder vier – “I need the passports of both of you..” auf die die bittere Erkenntnis, dass Melli meinen abgelaufenen Reisepass mitgenommen hat, folgte (ok – andere Story… ich weiss “wozu nimmt man den denn bitte auf eine Reise mit?!?!”… ich weiss… … .). Gerade wieder Puls um die 100 – schon wieder Richtung Auto sprinten. Aber wo ist der kack Reisepass??? Eigentlich verlege ich wirklich sehr selten etwas… wirklich! Auf jeden Fall ist er nicht aufzufinden. Also unverrichteter Dinge zurück ins DoH wo sich die Situation bereits entspannt hat – mein Perso langt auch! Ein Glück!!!
Der Reisepass liegt, wie von mir vermutet im Hotel an der Rezeption… wohl am Zimmer vergessen. Egal – Hauptsache ich habe ihn wieder!
Viel zu spät kommen wir endlich in unserer Unterkunft in Kailua an – fertig mit den Nerven – aber irgendwie hat’s wohl so sein sollen… als Belohnung darf man dann auch lecker Essen gehen!

Was für ein krasser Tag! Kann nur besser werden – zumindest was den Stress betrifft 🙂
Viel zu spät fallen wir ins Bett – der Wecker steht auf 3:10am – Sonnenaufgangsbilder zur Hochzeit – was für eine bescheuerte Idee… Sunrise Fotos ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Reisen!

Ein paar Stunden schlechten Schlaf (Aufregung gehört eben dazu!) später kommen wir relativ pünktlich bei Cpt. Howie an. Das Haus sieht hammer aus (er nennt es selbst “Hobbithouse” und das trifft es auch sehr gut) und der Garten ist sehr romantisch (kitschig trifft es irgendwie auch). Die restliche Storie gibt es nur auf pers. Anfrage – wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spass und Cpt. Howie war wirklich super. Ein echt lässiger Typ der, wie wir beide finden, sehr passende Worte für uns gefunden hat und unsere Vermählung im Garten seines Hobbithauses zu einer sehr schönen Erinnerung geformt hat.
Als (super!) Überraschung haben uns Melli’s Eltern (sie wusste nichts davon), danach mit einem breiten Lachen und einigen tollen Geschenken von beiden Familien zum Frühstück abgepasst. Melli’s entgleisenden Gesichtsausdruck, als sie langsam realisiert hat, dass das wirklich ihre Eltern sind die uns da auflauern werde ich so schnell nicht vergessen – super süss und endlos lustig 😉
Wir haben uns wirklich sehr über diese gelungene Überraschung gefreut!!!

In den nächsten Tagen erkunden wir gemeinsam die Insel Oahu und haben viel Spass bei tollen Sonnenuntergängen, Krabben essen und kleinen Wanderungen.

FAZIT: Sehr schöne Insel, wenn man Waikiki meidet 😉

WIN: Gelungene Überraschungen!

FAIL: An der Hochzeit krank werden.

Lesson learned: Führerschein bleibt Führerschein und driving permit bleibt driving permit…

 

USA – Burning man

Burning man in Worten zu beschreiben wäre so als würde man versuchen richtig guten Sex, den ersten Vollrausch, den Geschmack von Nutella, 280 km/h auf einer Bimota und einen Fallschirmsprung – gleichzeitig und in einem Satz zu erklären… ich versuche es gar nicht erst und poste lieber nur ein paar harmlose Fotos… (Sorry Sven – ich habe noch immer kein gutes Internet gefunden um Deine Bilder runterzuladen!!!)

FAZIT: Livechanging – for sure…

WIN: -zensiert-

FAIL: -zensiert-

Lesson learned: -zensiert-

 

USA – Yosemite NP

Eines unserer Ziele in den USA, welches wir mit der wohl grössten Erwartungshaltung auf dem Plan hatten war der Yosemite National Park, den auch die Amis lieben. Leider ist er genau deswegen sehr oft überlaufen und wir hatten ein wenig Schiss keinen freien Stellplatz mehr zu ergattern. Aus diesem Grund haben wir uns gleich für einen eher abgelegenen Campsite weiter oben und etwas ausserhalb entschieden. Die Nächte waren EISKALT – man glaubt kaum wie viel da jeder Höhenmeter ausmacht!!! Ein Hoch auf die Feuerstellen – und dieses Mal haben wir sogar Kohlen!
Wieder gibt es Bärenlocker und dieses mal ……. nehmen wir das Thema durchaus ernst 🙂
Unser Ultralight Zelt (MSR Hubba Hubba) kam bisher noch gar nicht zum Einsatz und das wollen wir hier unbedingt ändern. Also stand eine Mehrtages-Wanderung auf dem Programm… genau genommen einen Zweitages-Wanderung… man sollte es ja nicht gleich übertreiben 😉
Laut Internet und Reiseführer muss man die schönste Route, hoch auf den Halfdome schon Monate vorher buchen. Wir fragen trotzdem im Visitor Center nach und haben tatsächlich Glück!
Genau genommen MEIN Glück… wenn man einen Antrag auf so einer Reise macht, dann sollte der Ort der Wahl schon ein besonderer sein… schliesslich hat die Erinnerung daran gegen unglaubliche viele andere Eindrücke zu bestehen (ausserdem hat Fabi die Messlatte im Freundeskreis extrem hoch gelegt… DANKE)! Den Ort macht nicht nur der Berg so besonders, sondern auch die Tatsache, dass ich Höhenangst habe und der Aufstieg vom Subdome auf den Halfdome extrem schlimm für Menschen mit diesem Handikap sein soll… sozusagen Mutprobe, Liebesbeweis und Trotz-Adrenalin-richtige-Worte-find-Probe in einem. Also den Ring eingepackt und noch so ein paar andere Sachen, bis der 80 Liter Rucksack dann auch fast voll war…

Wie ich, während des Aufstiegs schmerzlich lernen musste nehmen nur sehr unerfahrene, oder extrem fitte Hiker einen ganzen Leib Brot, eine Dose Tomatenpürre und diverse andere viel zu schwere Gegenstände mit auf so eine Wanderung…. Ich weiss nicht ob ich es bis zum Zeltplatz geschafft hätte, wäre da nicht diese Zusatzmotivation gewesen… der Ring muss endlich an den Finger!
Der Aufstieg war, für mich ein Wechselbad aus Leiden und Staunen – super schön und super anstrengend… Melli ist, wie immer, fit wie ein Turnschuh den Berg hochgespurtet… (wie macht sie das nur???)

Wir bauen nur kurz das Zelt auf, fassen Essen und weiter gehts ohne Gepäck, denn das Ehrgeizige Ziel heisst “Aufstieg auf den Halfdome an einem Tag”. Ohne den schweren Rucksack bleibt endlich Luft zum Ratschen 😉

Am Subdome angekommen bin ich dann gaaaaanz schön aufgeregt… das liegt sicher nicht nur am Ring… (und der Tatsache, dass ich überhaupt nicht mehr weiss was ich noch mal genau sagen wollte), sondern auch an den zwei locker gespannten Drahtseilen, den komischen Holzbalken (die wohl Stufen dienen sollen), dem extrem glatten, riesigen Felsen und der heftigen Steigung. Hand aufs Herz – warum lassen die da Leute ohne Sicherung hoch???
Scheiss egal – nach ein “paar” Minuten Bangen nehmen wir allen Mut zusammen, schnappen und jeweils ein Paar Handschuhe (die lassen Hiker dort oben für andere Hiker liegen, denn ohne Handschuhe ist der Aufstieg nicht machbar) und schwingen uns an die Seile. Melli geht vor mir – schon auf den ersten Metern merken wir, dass unser Schuhwerk nicht wirklich für eine solche Anforderung gemacht ist. Melli rutscht mehrmals ab und bei mir sinkt mit jedem Mal Mut und Wille steil ab… Was wenn einem von uns wirklich etwas passiert? Hier endet ein Fehler nie mit einer Verletzung sondern immer mit einem “Schlusspunkt”. Der Runde Felsen endet nämlich auf beiden Seiten in eine, fast senkrecht abfallende und mehrere hundert Meter hohe Steilwand.
Nach ca. 50 Metern (immerhin fast die Hälfte) brechen wir ab und mühen uns auf den Subdome zurück. Für Melli die pure Erleichterung, für mich Plan C? Einen Plan B sollte man ja immer haben… aber wer denkt schon an Plan C? Keiner von uns beiden (und das ist auch gut so ;)) weiss noch genau welche Worte ich dann gefunden (es waren sicher mehr gesuchte…) habe – auf jeden Fall hat Sie “Ja!” gesagt und endlich konnte ich den Ring an ihren Finger stecken (Mist – er ist ein bisschen zu gross…).

Während wir noch mitten im “krass – verlobt!!!”-Feeling die Aussicht geniessen geben dann noch diverse andere Hiker, vom Muskelbepackten Hünen bis zur sportlichen Kletterlady auf. Wir sind uns sicher, dass der “Gruppenfaktor” hier viel geholfen hätte, aber alleine oder zu zweit scheint einem der Mut oder auch der Wahnsinn für diesen Aufstieg zu fehlen. Wir wagen keinen zweiten Anlauf (weder beim Text für Antrag noch beim Aufstieg) und wandern erleichtert zurück zum Basislager.

Unsere Kaufentscheidung bestätigt sich als super und die erste Nacht im nicht ganz so billigen Zelt war top. Krass wie schnell sich sowas aufbauen lässt!!!

Am nächsten Morgen gehts an den Abstieg, der mir ohne Tomatenpüree und Brot gleich viel leichter fällt – ok ein Stein ist mir ja auch vom Herzen gefallen (der Ring gefällt ihr super!!! oleee!) und sooo leicht ist der Ring auch nicht 😉 (Ausserdem haben wir nur noch Chlorwasser – und davon wenig…)

Wir brechen auf – über Bodie, den Lake Tahoe und Reno – in Richtung – BURNING MAN!!!!

FAZIT: Nicht der beeindruckendste National Park, aber irgendwie trotzdem ein Muss.

WIN: Einfach mal “Ja!” sagen!

FAIL: Tausche Brot und Tomatenpüree gegen Seil + Karabiner!

Lesson learned: Einen Plan haben ist Bronze, zwei Pläne haben ist Silber, gar nicht planen ist Gold.

USA – Sequoia NP

Extrem lang, unglaublich dick und verdammt hart! So, oder so ähnlich könnte man viele Dinge beschreiben aber am treffendsten passt es wohl auf einen Sequoia!
Ich habe meinen Gesichtsausdruck nicht mehr genau vor Augen, aber ich wette um ein Bier, dass mein Mund weit offen war als wir vor dem ersten Baumriesen standen. Die Amerikaner haben diesen Giganten auf den klangvollen Namen “General Sherman” getauft. 84 Meter hoch, 8 Meter dick und ein Volumen von über 1400m³. Ich habe wirklich alles gegeben um diese unglaublichen Ausmasse aufs Bild zu bekommen, aber so 100%ig kommt trotz aller Mühe nicht rüber WIE heftig riesig diese Bäume sind. Der älteste ist schon über 3000 Jahre alt. Die normalen Bäume ringsum wirken dagegen wie kleine Streichhölzer… man stelle sich Philipp Lahm und Shaquille O’Neal zusammen unter der Dusche vor…

Sichtlich begeistert von diesen gewaltigen Uhrgesteinen freuen wir uns schon auf unseren ersten Trail quer durch den Wald in dem es ausser riesigen Sequoias auch noch relativ viele Schwarz-Bären gibt. Dank der Bären muss man auf den Campsites alles was nach menschlichen Nahrungsmitteln riecht oder darauf hindeutet (Zahnpasta?) in sog. Bearlocker sperren. Jeder Stellplatz hat eine solche Stahlbox, mit der verhindert wird, dass der Bär an unser Essen gelangt und dem Campsite dann regelmässig einen Besucht abstattet. Wir räumen also (fast) alles wie angegeben in den Bearlocker und starten los – 100%ig sicher, dass die Sache mit den Bearlockern doch sicher übertrieben ist und wir eh keinen Bären sehen werden. Da es schon recht spät nachmittags ist sind wir fast alleine auf unserem Trail. Viel Ruhe und Zeit für ausgiebig Staunen, Fotos und Ratschen…
Bis genau in dem Moment in dem ich Melli’s Redefluss kurz unterbreche – “Melli Du schaust aber schon auch wegen den Bären!?!” – ein kleiner junger Schwarz-Bär keine 20 Meter vor uns fiepsend über den Weg rennt und auf einen Baum klettert um sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Bei uns beiden schrillen die Alarmglocken auf – vor Bärenmüttern wurden wir gewarnt – die können wohl sehr aggressiv werden , wenn man dem Nachwuchs zu Nahe kommt. Nur wie Nah ist “zu Nah”??? Es dauert keine Sekunde und da kommt auch schon die Mutter angerannt und stellt sich schützend unter den Baum. Einer der Momente in dem man zwar immer noch froh ist ein Weitwinkelobjektiv auf der Reise dabei zu haben, aber auf der Kamera macht es sich genau in diesem Moment extrem schlecht.
Ich flüstere zu Melli “jetzt aber ganz langsam” und Melli versteht “jetzt aber schnell weg”… sie dreht sich also um und bringt sich mit schnellem Schritt in Sicherheit während ich meinen Rucksack behutsam auf den Boden lege um das Objektiv zu wechseln… schliesslich will man(n) ja ein halbwegs gutes Foto von einem solch einmaligen Moment! Objektiv-Wechsel machen wir in solchen Momenten eigentlich immer zu zweit um Dreck und Staub im Kamera Body zu vermeiden… in diesem Fall war ich so verunsichert von Melli’s “Fehlen”, dass ich einfach schnell zwei Bilder mit dem Weitwinkel geschossen habe um mich schnell ihrer Flucht anzuschliessen.
Wir ärgern uns heute noch, dass wir nicht stehen geblieben sind… leider haben wir erst NACH unserer ersten Bärensichtung den “Lehrfilm” im Campsite Cinema angeschaut, sonst hätten wir gewusst, dass 20 Meter eigentlich ein guter Abstand sind und wir in keiner echten Gefahr waren. Trotzdem waren wir erleichtert ohne weitere Aufregung davon gekommen zu sein und – hey – wir haben tatsächlich eine kleine Bärenfamilie gesehen – am ersten Tag!?! Trotzdem ist Melli’s Meinung zur Überraschung “Aller” in diesem Fall nicht “es geht ja nicht nur ums Foto!” 😉

Leider ist es bei dieser einen Begegnung mit Mutter Bär geblieben – in Erinnerung wird sie uns allemal lange bleiben genauso wie Melli’s “Bärentanz”…

Nach einem, wieder einmal aufschlussreichen Ratsch mit einem echten Bilderbuch-Südstaaten-Ami (muss ich mir wirklich sorgen machen, dass ich in Deutschland keine Waffe besitzen darf um mich vor dem Staat zu schützen… man weiss ja nie!) beenden wir den aufregenden Tag mit einem lecker Grill-Fisch.

Am nächsten Tag finden wir auf unserer zweiten Wanderung wieder viele gigantische Bäume, fast frische Bärenkacke und einen beinahe ausgetrockneten Wasserfall – aber leider keine Bären 🙂 (Das Weitwinkelobjektiv habe ich sicherheitshalber gar nicht mitgenommen!)
FAZIT: Muss man gesehen haben!

WIN: Vertikal-Panorama… (General Sherman Foto).

FAIL: Weitwinkelobjektiv bei einer Bärensichtung!

Lesson learned: Wegrennen ist nicht immer die beste Lösung 😉

 

USA – Las Vegas

Very bad things” – Wer diese geniale Komödie nicht kennt – ANSCHAUEN! Auf jeden Fall hat dieser Streifen bei mir schon damals Las Vegas zu einer Party-Jungesellenabschied-Vollgas-Hochburg werden lassen und spätestens seit Hangover war ich mir sicher, dass Las Vegas rockt – zumindest in meiner Vorstellung. Um ehrlich zu sein war mir natürlich schon klar, dass die wenigsten Amis so feiern wie wir das gerne tun und nur in den allerwenigsten Fällen hören sie gute Musik. Wie sollte also Las Vegas meinen Vorstellungen gerecht werden? Gar nicht… ich “hasse” Las Vegas (ok “hasse” ist leicht “übermelodramisch”… aber es is ja MEIN Blog ;))! Keine Stadt hält einem den Spiegel der Verschwendung und Masslosigkeit mehr vor die Augen als Las Vegas. Mag sein, dass die Menschen die dort tatsächlich Spass haben. einfach nur die Augen schliessen oder blind geboren sind… ich bin damit null klar gekommen. Die Stadt will nur eines – DEIN Geld – und zwar nicht dein, für die Stadt geplantes Budget sondern ALL dein Geld. Will man am Strip in ein nur 800 Meter entferntes Geschäft um sich einen Ethernet Adapter für den Laptop zu kaufen muss man, wenn man schnell geht mindestens 60 Minuten dafür einrechnen!!! Es gibt keinen direkten Weg – der wurde mit voller Absicht so gut es nur geht an diversen Stellen blockiert um einen durch JEDES Casino und JEDE Shopping Mall zu schleusen die auf dem Weg liegen könnte. Und nicht dass man jetzt annimmt man wird nur mal eben kurz ins Casino geleitet und kommt easy wieder raus – no way… vom ersten lärmenden Spielautomaten bis zum letzten unter weiter durch die Casino eigene Mall wird man “zwangsgeschleust”. Alles kostet viel mehr und überall lärmt und nervt es… schreckliche Mukke und viel zu viele Menschen. Die stecken bei 40 Grad im Schatten arme Mexikaner in Ganzkörper-Superhelden-Kostüme und lassen sie Werbetafeln oder auch mal nur einen roten Pfeil “animieren” (sog. “walking acts”)?!?
Egal – ich hör ja schon auf zu meckern… Las Vegas – einmal und nie wieder! Bin ich froh, dass es nie zu einem Jungesellenabschied in unserem Freundeskreis in Vegas kam… so viel “Schöntrinken” verkraftet meine Leber niemals…
Bilder gibt’s so gut wie keine – war mir die Stadt einfach nicht wert.

FAZIT: Weiträumig umfahren, oder zumindest den Strip meiden… aussen rum ist es eine recht “normale”, typisch amerikanische Stadt.

WIN: Hustler Sexshop.

FAIL: Die Stadt?

Lesson learned: Vorstellung und Realität neigen manchmal (eigentlich bekannter Weise) dazu weit auseinanderzugehen…