USA – Sequoia NP

Extrem lang, unglaublich dick und verdammt hart! So, oder so ähnlich könnte man viele Dinge beschreiben aber am treffendsten passt es wohl auf einen Sequoia!
Ich habe meinen Gesichtsausdruck nicht mehr genau vor Augen, aber ich wette um ein Bier, dass mein Mund weit offen war als wir vor dem ersten Baumriesen standen. Die Amerikaner haben diesen Giganten auf den klangvollen Namen “General Sherman” getauft. 84 Meter hoch, 8 Meter dick und ein Volumen von über 1400m³. Ich habe wirklich alles gegeben um diese unglaublichen Ausmasse aufs Bild zu bekommen, aber so 100%ig kommt trotz aller Mühe nicht rüber WIE heftig riesig diese Bäume sind. Der älteste ist schon über 3000 Jahre alt. Die normalen Bäume ringsum wirken dagegen wie kleine Streichhölzer… man stelle sich Philipp Lahm und Shaquille O’Neal zusammen unter der Dusche vor…

Sichtlich begeistert von diesen gewaltigen Uhrgesteinen freuen wir uns schon auf unseren ersten Trail quer durch den Wald in dem es ausser riesigen Sequoias auch noch relativ viele Schwarz-Bären gibt. Dank der Bären muss man auf den Campsites alles was nach menschlichen Nahrungsmitteln riecht oder darauf hindeutet (Zahnpasta?) in sog. Bearlocker sperren. Jeder Stellplatz hat eine solche Stahlbox, mit der verhindert wird, dass der Bär an unser Essen gelangt und dem Campsite dann regelmässig einen Besucht abstattet. Wir räumen also (fast) alles wie angegeben in den Bearlocker und starten los – 100%ig sicher, dass die Sache mit den Bearlockern doch sicher übertrieben ist und wir eh keinen Bären sehen werden. Da es schon recht spät nachmittags ist sind wir fast alleine auf unserem Trail. Viel Ruhe und Zeit für ausgiebig Staunen, Fotos und Ratschen…
Bis genau in dem Moment in dem ich Melli’s Redefluss kurz unterbreche – “Melli Du schaust aber schon auch wegen den Bären!?!” – ein kleiner junger Schwarz-Bär keine 20 Meter vor uns fiepsend über den Weg rennt und auf einen Baum klettert um sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Bei uns beiden schrillen die Alarmglocken auf – vor Bärenmüttern wurden wir gewarnt – die können wohl sehr aggressiv werden , wenn man dem Nachwuchs zu Nahe kommt. Nur wie Nah ist “zu Nah”??? Es dauert keine Sekunde und da kommt auch schon die Mutter angerannt und stellt sich schützend unter den Baum. Einer der Momente in dem man zwar immer noch froh ist ein Weitwinkelobjektiv auf der Reise dabei zu haben, aber auf der Kamera macht es sich genau in diesem Moment extrem schlecht.
Ich flüstere zu Melli “jetzt aber ganz langsam” und Melli versteht “jetzt aber schnell weg”… sie dreht sich also um und bringt sich mit schnellem Schritt in Sicherheit während ich meinen Rucksack behutsam auf den Boden lege um das Objektiv zu wechseln… schliesslich will man(n) ja ein halbwegs gutes Foto von einem solch einmaligen Moment! Objektiv-Wechsel machen wir in solchen Momenten eigentlich immer zu zweit um Dreck und Staub im Kamera Body zu vermeiden… in diesem Fall war ich so verunsichert von Melli’s “Fehlen”, dass ich einfach schnell zwei Bilder mit dem Weitwinkel geschossen habe um mich schnell ihrer Flucht anzuschliessen.
Wir ärgern uns heute noch, dass wir nicht stehen geblieben sind… leider haben wir erst NACH unserer ersten Bärensichtung den “Lehrfilm” im Campsite Cinema angeschaut, sonst hätten wir gewusst, dass 20 Meter eigentlich ein guter Abstand sind und wir in keiner echten Gefahr waren. Trotzdem waren wir erleichtert ohne weitere Aufregung davon gekommen zu sein und – hey – wir haben tatsächlich eine kleine Bärenfamilie gesehen – am ersten Tag!?! Trotzdem ist Melli’s Meinung zur Überraschung “Aller” in diesem Fall nicht “es geht ja nicht nur ums Foto!” 😉

Leider ist es bei dieser einen Begegnung mit Mutter Bär geblieben – in Erinnerung wird sie uns allemal lange bleiben genauso wie Melli’s “Bärentanz”…

Nach einem, wieder einmal aufschlussreichen Ratsch mit einem echten Bilderbuch-Südstaaten-Ami (muss ich mir wirklich sorgen machen, dass ich in Deutschland keine Waffe besitzen darf um mich vor dem Staat zu schützen… man weiss ja nie!) beenden wir den aufregenden Tag mit einem lecker Grill-Fisch.

Am nächsten Tag finden wir auf unserer zweiten Wanderung wieder viele gigantische Bäume, fast frische Bärenkacke und einen beinahe ausgetrockneten Wasserfall – aber leider keine Bären 🙂 (Das Weitwinkelobjektiv habe ich sicherheitshalber gar nicht mitgenommen!)
FAZIT: Muss man gesehen haben!

WIN: Vertikal-Panorama… (General Sherman Foto).

FAIL: Weitwinkelobjektiv bei einer Bärensichtung!

Lesson learned: Wegrennen ist nicht immer die beste Lösung 😉

 

2 Replies to “USA – Sequoia NP”

  1. Cooler Wald und geile Bilder 😀 Kurz ne Frage, gab es nicht auch schon Bilder aus NZ? oder bin ich zu blöd die zu finden?

    Beste Grüße an alle,
    Philippe

    1. Ja leider bin ich extrem weit hinterher… es fehlen noch australien 1, indonesien und neuseeland… aber ich geb gas 🙂

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