Australien – die Erste

Was für uns gilt, gilt noch lange nicht für unser Gepäck. Melli und ich kommen zwar gut in Cairns an, mein Backpack hat es leider nicht ganz geschafft. Jetstar gibt sich zwar alle Mühe, wirklich koordiniert wirkt die Gepäckstücksuche trotzdem nicht. Nach zahlreichen Emails, Anrufen und dem xten Formular ist es dann nach drei Tagen endlich geschafft und mein Osprey kommt gesund und munter in unserem Hostel an. Da wären nicht nur die Hochzeitsbilder futsch gewesen… Schwein gehabt! Immerhin durfte ich für ca. 60 AUD, auf Jetstar Kosten Sachen wie frische Unterwäsche, Zahnpasta, Duschzeug usw. shoppen.
Cairns ist zwar wirklich niedlich, drei Tage sind dennoch mehr als Genug. Nach unseren, “etwas” kostspieligen USA Wochen muss gespart werden! Eisern! Also gehts mit dem günstigsten Mietwagen den wir bekommen konnten und unserem Hubba Hubba NX weiter. Basic Camping ist angesagt. Hätte mir jemand vor ein paar Wochen erzählt, dass ich in Australien mit Redbacks, Taipanen und Tigersnakes auf einem Campingplatz in einem Zelt schlafen werde, ich hätte müde gelächelt – Zelten in Australien – viel zu gefährlich!!!
So ändern sich die Blickwinkel… jetzt lächle ich über meine völlig falsche Vorstellung 😉
Klar – es gibt sie alle – die tödlich giftigen Spinnen, Schlangen, Quallen, Muscheln, Fische, Skorpione, Salties uuussswwww., gecampt wird natürlich trotzdem… auch in Zelten – auf dem Boden. Ein wenig vorsichtiger sollte man natürlich sein. Wer bei einem Bier bis nach Sonnenuntergang am schönen Cape Tribulation Strand bleibt und dann feststellt, dass er keine Ahnung hat wie er bei seinem Nexus 4 die Taschenlampe anmacht, der muss den Foto Blitz nutzen um sich den Weg in Flip-Flops vom Strand durch den Dschungel zum Campsite zu bahnen, bzw. zu flashen. Das mit dem “vorsichtiger” üben wir besser noch…
Cape Tribulation ist ein ganz besonderer Ort, da nur hier der Regenwald auf das Great Barrier Reef stösst. Hmm – was damit genau gemeint ist habe ich bis heute nicht verstanden… (Der Regenwald geht bis zum Strand und das Riff ebenfalls…) jedenfalls kennt diesen Fakt jeder Aussie und ist davon begeistert, wir sind es also auch.
Bei unserem Schnorchel Trip zum Weltgrössten, lebenden Riff haben wir leider etwas Pech, der nächtliche Regen trübt die Sicht auf unter 5 Meter. Spass haben wir trotzdem mit den Riesen Muscheln, Stachelrochen und den chilligen Schildkröten. Fest steht – ich will auf jeden Fall noch am Outer Reef tauchen gehen!!!
Wir machen noch eine kleine Wanderung am Mossmen Gorge durch den Dschungel und starten unseren Roadtrip entlang der Ostküste runter bis Brisbane.

Die Natur ist wirklich wunderschön, auch wenn einen hier wirklich alles nur erdenkliche umbringen will. Die Aussies stellen schon gar keine “Vorsicht Schlangen” Schilder mehr auf… die schmerzhaften Sting Trees sind immerhin noch ein Warnschild wert. An Ständen wird eindringlich vor Salties und Quallen gewarnt. Gegen letztere hilft im Notfall Essigsäure, die an betroffnen Stränden in “First Aid” Säulen zu finden ist. Richtig bock auf plantschen haben wir irgendwie trotzdem nicht.

Unser Umweg durch das “Table Lands” genannte Hinterland südlich von Cairns erinnert mich stellenweise stark an Tirol oder die Schweiz? Grünes, hügeliges Weideland auf dem das Steak von Morgen flaniert. Hier haben Rinder noch ein Leben!
Wir stoppen an diversen kostenlosen Tripadvisor Attraktionen, machen Fotos, lesen erhellende Hinweistafeln, kaufen organic Tee, sichten Baum Kängurus und besuchen Magnetic Island, die ihren Namen einem Irrtum zu verdanken hat. Alle Attraktionen die etwas kosten umfahren wir gezielt – die Reisebörse freut sich und ehrlich gesagt – ich finds viel besser so.
Jeden Tag liegen wir weit unter unserem angesetzten Tages-Spar-Budget und das muss natürlich belohnt werden! Wir wollen einen Segelturn um die Whitsundays machen. Gut, dass wir den nicht schon in Cairns gebucht hatten… online finden wir ein gutes Angebot zum halben Preis und schlagen zu.
Wir haben Glück und auch wenn wir die ältesten der 21 Passagiere sind fühlen wir uns wohl und die Stimmung an Board ist gut. Melli macht uns sicherheitshalber trotzdem ein “paar” Jahre jünger… na gut – dann bin ich halt 27… bloss nicht lachen, man könnte meine Falten sehen!!!
Im Preis inbegriffen ist ein Schnupper-Tauchgang und ich kann, sehr zu meiner Freude, Melli überreden mitzumachen. Melli taucht eigentlich schon länger als ich, hatte aber vor einigen Jahren in Thailand Probleme mit einem “Reverse Block” und meidet seither diesen Sport. Alles klappt diesmal problemlos und – juhu – endlich zusammen tauchen – und noch besser – es eröffnen sich ganz neue Optionen für die restliche Reise!
Auf unseren Ausflug auf den White Heaven Beach der Whitsunday Insel hatten wir uns schon lange sehr gefreut und, wie man an den Bildern sehen kann macht er seinem Namen in der Tat alle Ehre. Irgendwie hat der himmlische Anblick auf so ziemlich alle eine gewisse “Ausflipp”-Wirkung. Wie die Kinder wir über den fast schon Zahnpasta weissen Sand getobt, Räder geschlagen, Engel in den Sand gezeichnet oder einfach nur glücklich vor sich hin gegrinst. Das mit dem Zahnpasta Weiss ist übrigens gar nicht so weit hergeholt. Alex erklärt uns, dass der Sand so fein ist, dass man damit seine Zähne putzen kann. Ich verzichte gerne und Mellis Zähne knirschen auch noch einige Schluck Wasser später, trotzdem muss ich zugeben, dass ich wirklich noch nie so feinen Sand gesehen, bzw. gefühlt habe. Es ist streng verboten sich etwas davon mitzunehmen…
Im seichten Wasser kann man sich zahlreichen Stachelrochen bis auf wenige Zentimeter annähern, viel näher sollte man den in der Regel friedlichen Tieren aber nicht kommen…

Bei unserem zweiten Tauchgang klappt wieder alles problemlos, aber wirklich spanned ist er leider nicht. Viele Fische und ein paar ganz nette Korallen. Viel lustiger ist der nächste “Schnochel-Stopp” an einer winzigen Sandinsel vor der, durch günstige Strömungen bedingt unzählige Wasserschildkröten sich am Überangebot ihres Leibgerichts erfreuen. Wie wir von unserem Aborigines Kapitän erfahren hat das Gift der Quallen eine ähnliche Wirkung auf die Schildkröten wie THC auf den menschlichen Organismus. So gesehen haben Schildkröten also mehr Rechte als wir Menschen… ausgenommen aller Holländer. Die Welt ist ungerecht – keine wirklich neue Erkenntnis.

Zum krönenden Abschluss gehen wir am letzten Abend noch mit allen zusammen feiern… in bester Backpacker Manier. Unzählige junge Menschen aus den verschiedensten Regionen des Planeten, fast alle single… aber mit Sicherheit alle betrunken! Welche Musik wählt man da als DJ wohl aus. So viel ist sicher, es war der schlimmste Mix an Musik den wir seit langem ertragen mussten. Glücklicherweise konnte ich mich auf dem Boot bereits vergewissern, dass die anderen “Mit-Segler” durchaus guten Musik Geschmack hatten und war somit nicht der einzige der eine gewisse Ironie in seinen Tanzstiel legte – hoffe ich…
Hach – ich kann mich noch gut erinnern – in dem Alter haben mir auch zwei, drei Schnapps und ein Bier gelangt… Heute wäre ein Vollrausch, der die Musik vielleicht erträglich gemacht hätte allerdings unbezahlbar, oder zumindest den “Spass” nicht wert.

Alex begleitet uns noch ein paar Tage auf unserer Tour in Richtung Süden. Endlich schaffen wir es auch einmal uns Bretter auszuleihen und für wenigstens zwei Stunden Surfen wir im beschaulichen Agnes Water bei kleinen aber guten “Aufwärm”-Wellen. Die dumme Würfelqualle surft leider immer mit… zumindest in unseren Köpfen. Ganz frei fühlt man sich hier nie im Wasser – Haie, Krokodile, Würfelquallen, Portugiesische Galeeren… die Welt ist ungerecht.
Mit Alex haben wir einen wirklich sehr netten und nachdenklichen Reisebegleiter gefunden. Der Abschied fällt uns allen dreien nicht leicht, aber wir müssen weiter nach Brisbane, der Flug nach Bali ist bereits gebucht. Wir haben zusammen mit Jasmin und Nico umdisponiert, Fidschi fliegt (erstmal) raus und es geht nach Indonesien. Melli hat ein bisschen Schiss, dass es bei Bali bleibt da wir die Insel schon sehr gut kennen, aber unser Reiseplanungsteam Jasco versichert uns, wir werden nicht enttäuscht sein. Da sind wir ja mal gespannt 😉
FAZIT: Australien ist schön, die Aussies extrem nett und hilfsbereit und die Ostküste voller junger Backpacker die “Erfahrungen” fürs Leben sammeln. Noch nicht ganz was ich mir vorgestellt hatte, aber das war ja nur der Osten 😉

WIN: Melli taucht wieder!!!

FAIL: Dinge auf Morgen verschieben die man eigentlich Heute machen will. Feiern in Backpacker Hochburgen – die sollen das besser erst noch ohne uns üben 😉

Lesson learned: Das Attribut “Gluckscheisser” mit würde Tragen… hätte ich nicht immer den heftigen Drang nur zu glauben was ich selber gesehen habe, dann wäre ich wohl auch einer der leichtgläubigen Backpacker die die Meinung vertreten, Goon wird aus Fischeiern gebraut…

 

3 Replies to “Australien – die Erste”

  1. Juhu!!! Begeisterung! Köstliche Bilderflut, die da eurem Bericht entspringt.
    Das Pas de Deux x2 im und über dem weissen Sand ist einmalig professionell.
    Dazu die Farben von Wasser und Himmel….

    Viel Vergnügen in Indonesien und immer wieder einen ” Alex ”

    wünscht euch Ursel

  2. Wenn jünger, dann könnte ich ja vor Neid erblassen!!! Traumhafte Bilder und da seid ihr überall gewesen.
    Der weiße Sand könnte von zerriebenen Muscheln stammen, wir haben das auf Inseln vor Thailand erlebt.
    Kein Stäubchen durfte man da mitnehmen.
    Die sportlichen, eigentlich akrobatischen Strandeinlagen der 2 Herren beachtlich bis atemberaubend!!!!
    Melli besticht durch elegante weibliche Auftritte.
    Ich freue mich mit euch und nehmt euch in Acht vor allem Ungetier vor allem vor den Haien!!!! Ich möchte euch gesund wieder haben!!!!
    Ganz liebe Grüße aus dem momentan immer wieder kühlen Grafrath und genießt weiter
    die Mam

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.